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  • AutorenbildFelicitas

Das Erbe der Welt – eine globale Lesereise zu Kultur und Natur

Übersichtlich, informativ, profund: Der Titel „Das Erbe der Welt“ versammelt alle UNESCO-Welterbestätten in einem opulenten Bildband. Über tausend einzigartige Kultur- und Naturschätze, von Versailles bis zum Wattenmeer, vom Taj Mahal bis zum Grand Canyon, laden ein zu einer Expedition über fünf Kontinente.


50 Jahre: Das Cover des Jubiläumsbandes "Das Erbe der Welt"
Grund zum Feiern: 50 Jahre Welterbe

Auf dem Cover blicken zwei Mönche in die Ferne, auserkoren, in dieses faszinierende Buchreich zu führen. Sie stehen hintereinander auf einem Mauervorsprung der Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha. Sie ist eine der 1.154 Kultur- und Naturschätze (Stand: Redaktionsschluss), die der vorliegende Prachtband – anlässlich des Jubiläums von 50 Jahren UNESCO-Welterbe edel im mattgoldenen Leineneinband schimmernd – feiert. Sie alle zu schützen und für kommende Generationen zu erhalten, das ist das Hauptanliegen einer einzigartigen und international agierenden Initiative.


Das Erbe der Welt: ein Laboratorium der Vereinten Nationen

Der Startschuss fiel 1972. Die UNESCO legte rund 30 Jahre nach ihrer Gründung den Grundstein mit einem Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. Ein „Laboratorium der Vereinten Nationen für Ideen“ wollten die Gründungsmitglieder schaffen. Seitdem erküren Jahr für Jahr 195 UNESCO-Mitgliedstaaten „Objekte von außergewöhnlichem universellem Wert“. Was ihnen gelungen ist, führt dieses Kompendium eindrucksvoll vor.


Ein Schwergewicht, das nicht erschlägt

Jede der über 700 reich bebilderten Seiten eröffnet einen Kosmos. Eine Weltreise auf dem Sofa – eine Trockenübung, die staunen lässt und klüger macht. Nach Erdteilen und Ländern geordnet, stellt der imposante Wälzer sämtliche Erbestätten vor. Mit über 1.500 farbigen Abbildungen und informativen Beschreibungen, übersichtlich in einem klaren Layout gestaltet, schafft es das rund 3.500 Gramm wiegende Schwergewicht, trotz immenser Fülle nicht zu erschlagen. Ein Buch, das mehrere Monate braucht, um es zu bewältigen, ist es dennoch.


Sur plus: ein Atlas

Ein 36-seitiger Weltatlas ergänzt das großformatige Buch. Jede Welterbestätte ist darin geografisch verortet und durch ein anschauliches Piktogram verzeichnet. Der Bildband schließt mit einer Liste aller Welterbestätten, wiederum nach Kontinenten und Ländern geordnet. Die als gefährdet eingestuften Monumente sind mit einem roten Stern markiert. Hinter jedem Monument erfahre ich über zwei Zahlen, wo der Texteintrag zu finden ist und auf welcher Kartenseite der Ort verzeichnet ist. Dank dieser wechselseitigen Bezüge ist es leicht, sich innerhalb des Gesamtwerks zurechtzufinden.


Kultur- und Naturstätten: die Mischung macht‘s

Genial ist die Verbindung von Kultur und Natur. Die Kulturstätten überwiegen mit rund 900 Monumenten. Das Naturerbe ist mit gut 200 Stätten vertreten. Wenige Orte vereinen das Natur- und Kulturerbe in sich, wie die Region von Ohrid rund um den Ohridsee in Nordmazedonien. Eine abwechslungsreiche Garde von gleich vier Welterbestätten hält die Umgebung von Neapel bereit: neben der Altstadt, Pompeji, die Amalfiküste und die Tempelanlagen von Paestum. Europa behauptet sich auf Platz 1 unter den Kontinenten, mit knapp der Hälfte aller vorgestellten Monumente.


Aus allen Winkeln der Welt wurde Schatz um Schatz zusammengetragen. In jedem Jahr kommen neue dazu. Und auch das Kompendium „Das Erbe der Welt" wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert und neu aufgelegt.


Die Orte, die das Erbe der Welt ausmachen, sind alle ganz unterschiedlich, doch alle sind einzigartig. Sie zu kategorisieren ist nicht einfach, hier ein Versuch (mit jeweils einigen Beispielen, doch wo ordne ich das Atombomben-Testgebiet Bikini-Atoll auf den Marshallinseln ein?):


  • Altstädte: z. B. Bern, Brügge, Stralsund, Wismar

  • historische Stadtzentren: z. B. Rom, Salamanca, Dubrovnik, Havanna oder Salvador da Bahia

  • einzelne Baudenkmäler: z. B. die ägyptischen Pyramiden, Tower von London, Kathedralen von Amiens und Chartres / Frankreich

  • transnationale Welterbeketten: wie die Werke des Architekten Le Corbusier auf fünf Kontinenten: Der deutsche Teil umfasst zwei Bauten in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung.

  • Ruinenstätten: z. B. Theben, Persepolis, Machu Picchu oder Karthago an der Bucht von Tunis

  • Heiligtümer: z. B. der Imam-Platz in Isfahan oder die buddhistischen Monumente im indischen Sanchi

  • Industriedenkmäler: z. B. die Historischen Stätten der Eisenverhüttung in Burkina Faso, das Fagus-Werk in Alfeld von Walter Gropius, bedeutende Orte des wallonischen Bergbaus/ Belgien

  • Park- und Gartenanlagen: Gartenreich Dessau-Wörlitz, der Prinzengarten in Aranjuez,

  • Bedeutende Kurstädte Europas: Baden-Baden, Bad Ems, Vichy, Bath

  • Kultur- und Naturlandschaften: Grand Canyon, die alten Buchenwälder der Karpaten oder in Slowenien, Wachau/ Österreich, Lorbeerwald/ Madeira

  • National- und Meeresparks: Nationalpark Tikal/ Guatemala, Historischer Nationalpark von Tahiti, Nationalpark Alejandro de Humboldt/ Kuba


Bedrohtes Welterbe, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

Hintergrundinformationen zur UNESCO ergänzen das Kompendium. Sie verdeutlichen die Aufgaben des UNESCO-Welterbekomitees, das die Welterbe-Konvention umsetzt. Wie umgehen mit gefährdeten Schätzen? Welterbestätten können bedroht sein, sei es durch Unglücksfälle wie beim Großbrand der Kathedrale Notre-Dame 2019 in Paris, durch Naturkatastrophen wie durch das Erdbeben in Kathmandu (2015). Oder durch den Klimawandel, wie das australische Great Barrier Riff.


Nicht zuletzt tobt ein Krieg in Europa. Wichtige Zeugnisse vergangener Kulturen drohen verloren zu gehen. Gerade Widrigkeiten führen uns überdeutlich vor Augen, was unser kulturelles Erbe und was Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bedeuten.

 

„Die Verteidigung der kulturellen Vielfalt ist kein Luxus, sondern eine grundlegende Voraussetzung für den Aufbau friedlicherer Gesellschaften.“

UNESCO


Das Beispiel Odessa

Alles Bewahrenswerte zu schützen und zu erhalten, das geht die Weltgemeinschaft an. Das Beispiel Odessa veranschaulicht, wie hoch die Anteilnahme aus aller Welt sein kann. Die Situation erlaubt nur eine kulturpolitische Solidaritätsaktion: Das historische Zentrum Odessas wurde Anfang 2023 im Eilverfahren als Kulturerbe anerkannt und als gefährdet eingestuft. Die UNESCO verurteilte die russischen Angriffe auf Odessa und warnte vor einer wachsenden Bedrohung für die ukrainische Kultur.

 

Welterbe bleibt nicht immer Welterbe

Mögliche Störfaktoren wie Wiens Baupolitik oder der Hochtourismus in Venedig und Dubrovnik hat das UNESCO-Welterbekomitee genau im Visier. Ein Welterbe-Titel kann auf die sogenannte Rote Liste kommen oder auch aberkannt werden. So geschehen in Dresden oder Liverpool, verursacht durch den Bau der Waldschlößchenbrücke bzw. des Liverpool Waters-Wohnkomplexes. Erhalten und Verändern konnten hier nicht in Einklang gebracht werden.


Traditionen rund um die Welt: das immaterielle Kulturerbe

Wer noch mehr Abwechslung sucht, kann sich am immateriellen Kulturerbe erfreuen und findet in Zwischenkapiteln Wissenswertes zu Traditionen und Brauchtum einzelner Länder und Völker: etwa zur Anreißtechnik beim Fachwerkbau in Frankreich – spannend. Apropos: Seit 2010 gehört Frankreichs Küchenkunst zum Welterbe.


Die bei Volksfesten in Katalonien verbreiteten Menschentürme gesellen sich zur Basler Fassnacht, Fladenbrotkultur oder zum Scherenschnitt. Exotischer geht es bei „Gule Wamkulu“ zu, dem feierlichen afrikanischen Tanzritual der Chewa.


Kultur- und Naturerbestätten, Kulturlandschaften, Können, Wissen, Bräuche und Dokumente spiegeln den Reichtum menschlicher Lebensentwürfe und -erfahrungen. Sie sind der Schlüssel zu Geschichte und Zukunft und verbinden Menschen über Grenzen hinweg. Nachhaltigkeit und Menschenwürde stehen dabei im Zentrum. Künstlerinnen und Künstler setzen sich bei der Gestaltung kultureller Ausdrucksformen auch mit dem Menschheitserbe auseinander. Menschheitserbe steht für Vielfalt und Weltoffenheit und ist Quelle von Identität, Würde und Frieden.

UNESCO


Mein Fazit Reisen, um zu lernen – dieses wundervolle Kompendium führt vor, was das heißt. Es ist bereichernd, Welterbestätten über ihre Kultur, ihre Bauwerke, ihre Natur und ihre Identität kennen- und verstehen zu lernen. Aus jeder Seite dieses Universalnachschlagewerks quillt geballtes Wissen, sprudeln Reiseideen. Das übersichtlich zu halten, ist ein Bravourstück und gelingt bestens. Eine Grand Tour in Buchform, die das Gefühl verstärkt, in ein größeres Ganzes eingebunden zu sein: What a wonderful world!


Der Bildband "Das Erbe der Welt" in einem mattgoldenen Leineneinband

Buchempfehlung

Das Erbe der Welt. Alle Kultur- und Naturmonumente mit Anerkennung der UNESCO. Gebundene Ausgabe. 736 Seiten. Kunth Verlag, 2022/23


Ein Blick ins Buch (s. rechts)










Tiefer eintauchen


Welterbe bei 3sat

3sat würdigt in der Serie „Schätze der Welt“ das Welterbe der UNESCO in Beiträgen (ca. 15 min.), darunter die Küste von Amalfi oder die Bucht von Kotor, die ehemalige Benediktinerabtei Corvey an der Weser, die Seidenbörse in Valencia oder der erste Nationalpark der Welt in Yellowstone. In der 3sat-Mediathek wartet eine Fundgrube mit immer neuen Folgen.


Die Deutsche UNESCO-Kommission

Der Web-Auftritt der Deutschen UNESCO-Kommission bündelt Informationen in den Kategorien Bildung, Kultur und Natur, Wissen.


Welterbestätten in Deutschland

Mit der Neuaufnahme von Erfurts jüdisch-mittelalterlichem Erbe 2023, darunter die Alte Synagoge, gibt es mittlerweile 52 UNESCO-Orte in Deutschland.


Welterbetag

In jedem Jahr gibt es einen Welterbetag. 2024 stellt er unter dem Motto „Vielfalt entdecken und erleben“ den Facettenreichtum der 52 Kultur- und Naturstätten in Deutschland vor.

 



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