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Mit Architektur übernachten:„Ungewöhnliche Hotels“ von Tschechien bis Schweden

  • Autorenbild: Felicitas
    Felicitas
  • 3. März
  • 6 Min. Lesezeit

Wie wär's mit einer Übernachtung im Iglu, im Cockpit eines Flugzeuges oder in einem Unterwasserzimmer? Wo das geht, zeigt der Bildband „Ungewöhnliche Hotels“ aus dem Jonglez Verlag. Und was alles noch geht auch: 50 einzigartige Hotels in rund 30 Ländern wetteifern um Aufmerksamkeit. Da hilft ein konzentrierter Blick auf sieben Häuser in Europa, von solide bis extravagant ausgewählt für Fans beeindruckenden Architektur.


Wie hingegossen: Frank Gehrys Hotelschiff mit silbernen, goldenen und rosafarbenene Titanbändern
Unverkennbare Verwandtschaft: Frank Gehrys Grüße von Elciego nach Bilbao © David Mapletoft_Ghery.jpeg

Erste Blicke ins Buch „Ungewöhnliche Hotels“

Wer außergewöhnliche Unterkünfte zu schätzen weiß, freut sich über die feine Kollektion, die der kompakte Bildband „Ungewöhnliche Hotels“ in Europa, Amerika, Afrika, dem Nahen Osten und in Asien bereithält.


Dank der Qualität der großformatigen und den Objekten nahe kommenden Fotografien und des klaren Designs lässt es sich schnell abtauchen, in eine Welt, die

  • mal orginell ist: Wie wäre es mit einem Frühstück mit Giraffen in Kenia?

  • mal nostalgisch: mit einer Nacht im Cockpit einer Boeing 747 in Schweden

  • mal naturnah: in einer Suite unter freiem Himmel in einem südafrikanischen Naturreservat oder

  • schlicht und schön : in einem vorwitzigen roten Wohnwürfel zwischen Wiesen und Feldern ohne fließendes Wasser und Strom nördlich von Dijon.


Eine Übersicht mit allen über 50 vorgestellten Hotels findet sich im Anhang des Hotelkompendiums: mit Postadresse, Website und Telefonnummer. Ergänzt werden die Angaben von ein, zwei oder drei Euro-Zeichen, die für die jeweilige Preisklasse des Hotels stehen. Kategorie 2 mit €€ listet Häuser mit Preisen zwischen 100,- und 300,- € auf. Einige der hier vorgestellten Unterkünfte befinden sich im unteren Bereich dieser Kategorie. Ein großes Plus: In diesem besonderen Hotelguide werden nicht allein hochpreisige Luxushotels vorgestellt. Fangen wir gleich mit einem an.


Auf einem Berg in Tschechien – Hotel Ještěd in Böhmen

Im Norden Tschechiens, in Liberec, ragt auf dem 1.012 Meter hohen Berg Ještěd ein Turm empor. Er sieht aus wie eine Rakete, abhebebereit. Wäre aber schade. Lieber in diesem Fernsehturm, der ein kleines Hotel in sich birgt, übernachten. 1963 nach Plänen von Karel Hubáček erbaut, zeichneten die Tschechen das elegante Geschoss 2000 mit dem Titel „bestes tschechisches Bauwerk des 20. Jahrhunderts“ aus.


Der weite Blick über das böhmische Liberec reicht bei guter Sicht bis ins Riesengebirge und zur Schneekoppe. Gut vorstellbar, hier bei reellen Drei Sterne Hotel-Preisen eine Nacht zu verbringen. Abendessen und Frühstück gibt es im hoteleigenen Restaurant.


Futuristisch: der Fernsehturm auf dem Berg Jested
Ein Fernsehturm mit Hotel und Restaurant in Liberec © Hotel Ještěd

Mitten im Wald in Schweden – Treehotel

Ebenfalls erhöht, wenn auch nur vier bis sechs Meter, warten die Baumhäuser von Harads in Nordschweden auf Gäste. Sechs renommierte Architekten und Designer waren hier am Werk- Und haben sie in die Baumkronen der Kiefern hineinbauen lassen. Schöner Superlativ: Das ist das erste Baumhaus-Hotel mit Sauna!

 

Ein Ufo-artiges silberfarbenes Baumhaus. das gleich abzuheben scheint
Baumhaus-Station in Nordschweden © Peter Lundstrom, WDO.jpg

Assoziationen an den Weltraum auch hier. Wären da nicht eine Rampe oder Treppen, die die luftigen Herbergen für zwei bis vier Gäste mit dem Erdboden verbinden.

 

Blick in die Baumkronen und ein großes Baumhaus
Übernachten in den Baumkronen von Harads © Peter Lundstrom, WDO.jpg

Am Rand von Marseille – Hotel Le Corbusier

Gleich im Namen teilt das Hotel Le Corbusier seinen Schöpfer mit. Das liegt im dritten Stock der von Corbusier umgesetzten Cité Radieuse am Rand des Stadtzentrums von Marseille. Die Einrichtungen des Gebäudekomplexes, darunter ein Kino, ein Fitnessraum oder ein Konzertsaal auf der Dachterrasse können zwar von den Gästen mitgenutzt werden. Doch so bedeutsam dieses Bauwerk für das Schaffen des großen Meisters Le Corbusier war, das Hotel wird im Bildband „Ungewöhnliche Hotels“ eher eingefleischten Architektur- und Corbusier-Fans empfohlen: „Die Gänge sind lang, dunkel und düster, und die eher spärliche Inneneinrichtung vermittelt nicht gerade das Ambiente eines Hotels der Luxusklasse.“


Marseille wartet mit Le Corbusier in der Cité Radieuse auf © Hôtel Le Corbusier.jpg


Italien – Atelier Sul Mare auf Sizilien

Licht beglückt! Wie im Atelier Sul Mare! Zwischen Palermo und Messina ließ der Unternehmer und Künstler Antonio Presti dieses „Hotel-Museum für moderne Kunst“ erbauen. 40 Zimmer, viele davon wurden von jeweils einem anderen Künstler oder Künstlerin gestaltet. Eins ist eine Hommage an Pier Paolo Pasolini, beim nächsten lässt sich das Dach über einem riesigen runden Bett manuell öffnen.


Blick aus einem Hotelzimmer auf das Bett mit direktem Blick auf das offene Meer
Grandiose Ausblicke bietet das Hotel-Museum Atelier Sul Mare © Jacques Garance
„Das Wasser reicht bis zu den Fenstern und die Äolischen Inseln bilden eine atemberaubende und geheimnisvolle Kulisse.“

Die Lage bringt grandiose Ausblicke. Und Antonio Presti hat den Anspruch, seinen Kunstort auch für weniger wohlhabende Menschen erfahrbar und bezahlbar zu machen. Also: Am besten selbst gucken, wie es aussieht, denn die Hotel-Website „wird diesem Ort nicht gerecht“.


Österreich – das oststeirische Rogner Bad Blumau

Nicht aufs Wasser schaut der Hotelgast im Rogner Bad Blumau. Dafür spielt es im Inneren dieses Thermalbads und Spa-Hotels eine um so größere Rolle. 2000 öffnete es seine Pforten. Gourmets kommen auch auf ihre Kosten, ganz entspannt: Das Spa ist mit einem preisgekrönten Restaurant verbunden.


Totale auf Friedensreich Hundertwassers Spa-Hotel Rogner Bad Blumau
Friedensreich Hundertwassers Spa-Hotel Rogner Bad Blumau © Rogner.jpg

Unverwechselbar hat Friedensreich Hundertwasser diese Anlage ersonnen. Was heißt: Willkommen im Reich leuchtender Farben, grasbewachsener Dächer, organischer Formen. Gerade Linien sucht man bei diesem Architekten vergebens. Sie galten dem Meister als „Werkzeuge des Teufels". Dafür mochte er goldene Kugeln und drapierte sie auf Dächer (Hundertwassers Architekturprinzipien kannst Du auch im Arthotel Magdeburg bewundern, mehr dazu in meinem Artikel Kunst und Logis in Magdeburg).


Spanien – das baskische Hotel Marqués de Riscal

Besonders begeistert bin ich, als ich – höchst wirkungsvoll im Hotelführer „Ungewöhnliche Hotels“ platziert – die Doppelseiten mit Frank Gehrys Hotel Marqués de Riscal in Elciego entdecke. Noch immer habe ich den Eindruck, den der Architekt mit seinem Bilbaoer Guggenheim Museum hinterlassen hat, tief in mir. Auf azurgold erfährst Du, warum Gehrys Guggenheim Museum in Bilbao Architekturträume erfüllt.


Die Verwandtschaft des Museums mit dem Hotel Marqués de Riscal ist beglückend! Ebenfalls mit Titanplatten verkleidet macht das Hotel mit silbernen, goldenen und – exzentrischen – rosafarbenen Bändern auf sich aufmerksam. Wie hingegossen breitet sich das atemberaubende Gebäude in der 1.000 Seelen-Gemeinde des baskischen Weindorfes Elciego aus. Gern würde ich mir das vor Ort anschauen ...


Hingucker: Hotel Marqués de Riscal im Tal von Elciego
Weltklassearchitektur von Frank Gehry im baskischen Elciego © Angélica Heras_Ghery.jpg

Portugal – Palace Hotel Do Bussaco / Coimbra 

Blick aus dem Garten auf das Palace-Hotel Do Bussaco
Hotel Palace Do Bussaco in Coimbra © Thomas Jonglez_Bussaco.jpg

Wahrlich königlich ging es im Palace Do Bussaco zu. 1885 von den letzten Königen Portugals errichtet, findet sich nahe der alten Universitätsstadt Coimbra ein Prunkbau, der verschiedene historistische Baustile in sich vereint. Prächtig auch der den Palast umgebene botanische Garten. Mönche des Karmeliterordens, die sich ab 1644 hier niederließen, haben ihn angelegt. Die Bäume, die sie pflanzten, darunter eine 30 Meter hohe Zeder, genossen durch ein Edikt von Papst Urban XIII. besonderen Schutz und wachen bis heute über das Anwesen. All das fand Alexander de Almeida vor, der das Schloss ab 1917 als historisches Luxushotel neu belebte. Architektur und Originalelemente der königlichen Familie behielt Almeida bei, von seltenen Kunstwerken und Deckenschnitzereinen im Haus bis zu den wunderschönen blau-weißen für Portugal so charaktistischen Azulejos, die draußen wie drinnen leuchten.


Blau-weiß für Portugal: die charaktistischen Azulejos © Thomas Jonglez_Bussaco.jpeg


Neugierig geworden? Hier kommen noch mehr anregende Beispiele für Hotelenthusiasten mit Sinn für außergewöhnliches Wohnen:

 

  • Frankreich / Le Carré Rouge: in einem roten Würfel schlafen

  • Frankreich / Villa Cheminée: ein Haus auf einem 15 Meter hohen Schornstein

  • Belgien: Übernachten in einer alten Kirche

  • Großbritannien / House of the Clouds: ein früherer Wassertank in einem idyllischen Dorf

  • Schweiz: Übernachten in einem von Künstlern erbauten Iglu

  • Finnland / Apukka Resort: Glaskuppeln für Nordlicht-Beobachtungen

  • Malediven / Conrad Maldives Rangali Island: Unterwasser-Restaurant und -Suiten

  • Tansania: Unterwasserzimmer im Manta Ressort

  • Südafrika / Kruger Shalati: Bahnwaggons auf einer Brücke

  • Japan: House of Light vom Lichtkünstler James Turrell

 

Mein Fazit

Der Hotelführer „Ungewöhnliche Hotels“ macht dank beeineindruckender Fotografien große Lust, sich mit einem außergewöhnlichen Ambiente zu umgeben. Mehr noch: Er weckt Reiselust. Die begleitenden knappen Texte sind eher zurückhaltend mit Informationen zu den Standorten der vorgestellten Domizile.


Macht nichts! Recherchieren! Wäre ich sonst fest entschlossen, im Hotelturm Ještěd (s. Hotel-Tipp 1), hoch über dem tschechischen Liberec, zu nächtigen? Meine Erkundungen führen mich auf eine wunderbare Welterbetour per Bahn quer durch Tschechien (Dank an www.zugpost.de!). Unter Nr. 15 „Buchenwälder im Isergebirge versteckt sich der Liberecer Fernsehturm. Summa sumarum: Ein überaus anregendes und unbedingt empfehlenswertes Reisebuch für Entdeckungstouren in der ganzen Welt.


Cover von Ungewöhnliche Hotels aus dem Jonglez Verlag

Buchempfehlung

Ungewöhnliche Hotels. Jonglez Verlag (deutsche Ausgabe) 2025, 192 Seiten. 240 mm x 268 mm


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