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Das blaue Wunder oder: Die Gesundung der Meere

Was können wir in Sachen Umweltschutz nachhaltig besser machen? Dieser Frage geht die Meeresbiologin Frauke Bagusche in ihrem Buch „Das blaue Wunder“ nach. Auf der Folie ihrer Forschungsarbeit rollt die Wissenschaftlerin das Innenleben der Ozeane auf: prägnant, voller Wissenswerte, gut verständlich. Und, ein Wunder für sich: Frauke Bagusche bleibt dabei optimistisch – ohne die Bedrohtheit der Meere zu beschönigen. Eine Buchbesprechung.

Der rote Eberfisch
Fühlt sich ganz unten im Meer besonders wohl, der rote Eberfisch © Anke Neumeister/ Deutsches Meeresmuseum
„Korallen erbleichen, wenn sie unter Hitzestress stehen.“

Sätze wie dieser finden sich häufiger in Frauke Bagusches Ozean-Kompendium „Das blaue Wunder“. Aber Vorsicht: Auf das, was zunächst witzig klingt und Humor hat diese Autorin , kann auch eine profunde Erklärung für die Bedrohung der marinen Lebensräume folgen.


Doch keine Sorge! Dies ist kein deprimierendes Buch. Frauke Bagusche gelingt es, über 300 Seiten eine schwierige Balance zu halten: zwischen ihrer großen Faszination für die Schönheit und Vielgestaltigkeit der Ozeane einerseits und deren Bedrohtheit durch den Klimawandel und die Plastikverschmutzung andererseits. Fundiert und mit feinem Gespür gelingt ihr inmitten dieser Widersprüchlichkeit ein Beziehungsgeflecht, in dem sie uns an die komplexen Zusammenhänge im Kosmos der Ozeane heranführt und wir ihnen näher kommen können.


Der Kampf für die Gesundung der Meere

Die promovierte Meeresbiologin erkannte bereits mit vier Jahren ihre spätere Berufung. Inzwischen kämpft Frauke Bagusche vehement für die Gesundung der Ozeane. In deutschlandweiten Schulungen und Vorträgen, im von ihr mitinitiierten Verein The Blue Mind“ – und mit diesem Buch. Versiert erschließt sie manch verborgenes Geheimnis der blauen Untiefen, in die sie selbst immer wieder zwischen Ägypten und den Malediven abtaucht.


Aquarium „Offener Atlantik“
Im Aquarium „Offener Atlantik“ sind viele Haiarten, darunter auch Glatthaie zu sehen © Anke Neumeister/Deutsches Meeresmuseum

So lerne ich die komplexen Zusammenhänge des Kohlenstoffkreislaufs des Meeres verstehen. Ich staune darüber, dass die Gefährlichkeit der Haie ein Mythos ist oder lasse mich in die tiefgründige Welt des Planktons einführen. Dessen Kleinstorganismen stellen nicht weniger als 95 Prozent der marinen Biomasse und bilden den Urstoff, aus dem das Nahrungsergänzungsmittel Spirulina hergestellt wird.


Wir sind durch jeden Atemzug mit dem Meer verbunden.

Wissenschaftlich fundiert beschreibt Bagusche, Jahrgang 1978, allgemein verständlich so großartige Phänomene wie das „Unterwasserkrankenhaus“ im Korallenriff oder die „Heizung Europas“ also das Golfstromsystem, ohne das es in Nord- und Westeuropa 5 bis 10 Grad Celsius kälter wäre. Die Autorin belehrt nicht. Sie regt zum Nachdenken an. Und bekennt freimütig, dass auch sie nicht plastikfrei leben könne. Konkrete Praxistipps gibt es ebenfalls von Frauke Bagusche, etwa wie wir den „Fischratgeber” vom WWF (World Wildlife Fund) beim Einkauf einsetzen können.


Ihre größte Leistung jedoch ist es, mich im Laufe ihres Buches mehr und mehr einzunehmen für ihren Optimismus, den sie mit anschaulichen Beispielen belegt. Wir können es schaffen, so Bagusche, unseren Nachkommen ein Meer zu hinterlassen, das gesund und voller Leben ist! Die Meeresbiologin hält das tatsächlich (noch) für möglich. Durch die Trias bewussterer persönlicher Konsumentscheidungen, mit intensiver Forschungsarbeit sowie mittels richtungsweisender politischer Regeln und Gesetze zum Schutz der Meere.


Fazit: Irgendwie scheint diese Wissenschaftlerin ganz besonders „durch jeden Atemzug mit dem Meer verbunden” zu sein. Wie wir alle – und dessen ist man sich nach der Lektüre dieses Buches deutlich bewusster.



Buchempfehlung


Buchcover, Das blaue Wunder


Tiefer eintauchen

Mit Frauke Bagusches Buch „Das blaue Wunder“ lernen wir das Meer besser verstehen. Ihrem Motto „Meer verstehen“ folgt sie ebenfalls mit der Website und dem Verein „The Blue Mind“, den sie mit einem Team aus Meeresbiologinnen gegründet hat. Die Wissenschaftlerinnen engagieren sich dafür, „durch persönliche Erfahrung und wissenschaftliche Bildung Menschen zu inspirieren, um unsere Meere zu schützen und zu bewahren“.


Dazu trägt das Meermobil bei, mit dem die engagierten Frauen Themen der Meereswissenschaften und des Umweltschutzes auch an diejenigen Orte bringen, die weitab vom Meer liegen: Sie orientieren sich an drei der Ziele der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung (SDGs= Substainable Development Goals): hochwertige Bildung, Maßnahmen zum Klimaschutz, Leben unter Wasser.


Frauke Bagusches Meeresforscher-Kolleg:innen von Future Ocean aus Kiel informieren ebenfalls mit Daten und Fakten über unseren Umgang mit dem Ozean. Dessen Gesamtfläche bedeckt mehr als zwei Drittel unseres Planeten.


Unbedingt in diesen Zusammenhang gehört das Ozeaneum in der Hansestadt Stralsund. Hier lässt es sich nach Herzenslust tiefer in die Thematik eintauchen. Das Ozeaneum gehört zur Stiftung Deutsches Meeresmuseum und hat sich ganz und gar dem Schwerpunkt Meer verschrieben. Auf gigantischen 8.700 m² Ausstellungsfläche werden fünf Dauerausstellungen präsentiert. Die Aquarienwelt nahe dem Stralsunder Hafen zeigt verschiedene Wasser- und Lebenswelten aus Ostsee, Nordsee und Nordatlantik. Das größte der Aquarien fasst 2,6 Millionen Liter Wasser.


„If there is magic on this planet, it is contained in water.“ Loren Eiseley

Zum Weiterlesen

Die Kanadierin und Publizistin Maude Barlow (geb. 1947) hat sich seit den 1980er-Jahren dem Kampf ums Wasser verschrieben. Als weltweit führende Aktivistin wirkte sie als erste darauf hin, Wasser als Menschenrecht in der Charta der Vereinten Nationen zu verankern. Sie erhielt 2005 den Alternativen Nobelpreis und hat fast 20 Bücher zu ihrem Lebensthema geschrieben. Eines davon ist: Maude Barlow: Blaue Zukunft. Das Recht auf Wasser und wie wir es schützen können, Antje Kunstmann, 2014.

Einen ersten Einblick in ihre Arbeit gibt ein Essay von Maude Barlow zur Wasserrettung (2014).


Jonathan Balcombe: Was Fische wissen Wie sie lieben, spielen, planen: unsere Verwandten unter Wasser, Hamburg, Mare Verlag, 2018. Im Verlagstext heißt es über den Verhaltensforscher und Autor: „Jonathan Balcombe ... bricht eine Lanze für unsere aquatischen Verwandten und deren erstaunliche Fertigkeiten – und überrascht mit Erkenntnissen, die weit über den Aquarienrand hinausgehen.“

Zum Thema „Was Fische wissen“ ist ein Videovortrag von Jonathan Balcombe auf YouTube abrufbar (67 min., in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln). Veröffentlicht wird er auf der Website der Albert Schweitzer-Stiftung.


Wissenswertes

Der Fischkonsum ist weltweit von 19 Mio. Tonnen (1961) auf über 90 Mio. Tonnen (seit 1995 in etwa stabil) gestiegen. Wissenswertes zum Einkauf von Fisch, zu Fangmethoden und Überfischung gibt es im Fischratgeber vom World Wildlife Fund (WWF).


Vorsicht beim Kauf von Produkten, die mit den Silben Poly-, Nylon- oder Acrylate beginnen. Diese Substanznamen deuten auf Mikroplastik hin!


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